Berufstypische Situation als Grundlage des Lernens Situationsorientierung in der Pflegeausbildung Der Unterricht an unserer Schule orientiert sich konsequent an berufstypischen Situationen aus der Pflegepraxis. Dieses didaktische Prinzip – die sogenannte Situationsorientierung – ist curricular im Pflegeberufegesetz (PflBG) und in den Empfehlungen der Fachkommission nach § 53 PflBG verankert. Jede curriculare Einheit ist im Sinne einer Situationsorientierung aufgebaut und enthält typische Situationsmerkmale, die das jeweils thematisierte pflegerische Handlungsfeld ausmachen (vgl. Blank, A. & Strieberitz, F., S. 118; 2024). Berufstypische Situationen bilden damit den Ausgangspunkt für das Lernen: Statt abstrakter Wissensvermittlung begegnen die Auszubildenden realen Pflegesituationen, analysieren diese und entwickeln handlungskompetente Antworten. Dies fördert gezielt die Fähigkeit, komplexe berufliche Anforderungen sicher zu bewältigen. Didaktisch-pädagogische Prinzipien gemäß der Fachkommission nach § 53 PflBG Unser pädagogisches Handeln folgt den didaktischen Leitprinzipien, die die Fachkommission nach § 53 PflBG für die generalistische Pflegeausbildung festgelegt hat. Die zentralen Prinzipien sind: Subjektorientierung Im Mittelpunkt des Lernens steht das Individuum: die lernende Person mit ihren Erfahrungen, Ressourcen, Fragen und Entwicklungspotenzialen. Unser Unterricht nimmt die Auszubildenden als handelnde Subjekte ernst und befähigt sie, das eigene Lernen aktiv zu gestalten. Bildungsverständnis Pflegerische Bildung zielt über rein fachliche Qualifizierung hinaus: Sie umfasst die Entwicklung eines reflektierten, berufsethischen Selbstverständnisses und die Fähigkeit, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen. Auszubildende werden befähigt, Pflege nicht nur auszuführen, sondern sie zu verstehen und weiterzuentwickeln. Lehr-Lern-Verständnis Lernen wird als aktiver, konstruktiver Prozess verstanden. Lehrende begleiten und unterstützen diesen Prozess, anstatt Wissen einseitig zu übertragen. Kooperative Lernformen, Fallarbeit und die Verknüpfung von Theorie und Praxis prägen unseren Unterrichtsalltag. Exemplarisches Lernen Einzelne, sorgfältig ausgewählte berufstypische Situationen stehen stellvertretend für ein breiteres Handlungsfeld. Die vertiefte Auseinandersetzung mit einem konkreten Fall ermöglicht es den Auszubildenden, übertragbare Erkenntnisse zu gewinnen, die sie auf ähnliche Situationen anwenden können. Kompetenzverständnis und -orientierung Kompetenz in der Pflege bedeutet die Fähigkeit, komplexe berufliche Situationsanforderungen sicher, reflektiert und verantwortungsvoll zu bewältigen. Dies schließt fachlich-methodische, sozialkommunikative, personale und wissenschaftlich-kritische Kompetenzen ein. Eine besondere Rolle spielt dabei das situativ-beurteilende Handeln: Pflegefachpersonen müssen in komplexen Situationen rasch und fundiert urteilen, Prioritäten setzen und handeln – eine Fähigkeit, die durch situationsorientiertes Lernen systematisch aufgebaut wird (vgl. Olbrich, C.: Kompetenzbasiertes Lehren und Lernen. Neue Wege in der Pflegeausbildung). Bedeutung für die Ausbildung am Haus der Pflege Die konsequente Orientierung an berufstypischen Situationen bedeutet für unsere Auszubildenden: Praxisrelevanz von Anfang an: Lerninhalte sind direkt auf die Pflegepraxis bezogen – Auszubildende verstehen den Sinn hinter dem Gelernten. Ganzheitliche Kompetenzentwicklung: Fach-, Sozial- und Selbstkompetenz wachsen im Zusammenhang und nicht isoliert voneinander. Kritisches Denken fördern: Auszubildende lernen, Pflegesituationen zu analysieren, zu bewerten und begründete Entscheidungen zu treffen. Vorbereitung auf die staatliche Abschlussprüfung: Die situationsbezogene Kompetenzmessung entspricht dem Prüfungsformat der generalistischen Pflegeausbildung. ――― Quellenhinweise für die Redaktion ――― Blank, A. & Strieberitz, F. (2024). In: Handbuch Pflegedidaktik. | Olbrich, C.: Kompetenzbasiertes Lehren und Lernen: Neue Wege in der Pflegeausbildung. | Schmal, J.: Aufbauwissen Pflege. Berufliches Selbstverständnis. | Fachkommission nach § 53 PflBG: Didaktisch-pädagogische Leitprinzipien. | Mehrfacher Nutzen durch Berufsfeldanalysen, Pflegezeitschrift, Springer Nature 2025.